Turkmenistan

 

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Die ganze Bürokratie an der türkmenischen Grenze dauerte zwei Stunden. Wir konnten uns in der Zwischenzeit nicht satt sehen an den wunderschönen mandelförmigen Augen und den farbenprächtigen, figurbetonten Röcken der Turkmeninnen. Am späteren Nachmittag strampelten wir los Richtung Mary, die drittgrösste Stadt der hauptsächlich aus Wüste bestehenden Landes, 210 km nordöstlich gelegen. Der warme Wind blies uns heftig ins Gesicht und unser Durchschnitts-Tempo lag bloss bei 10 Std./km. Unterwegs trafen wir vier turkmenische LKW-Fahrer am Strassenrand, welche fabrikneue Nissan-Jeeps nach Kazakhstan transportierten. Das Transit-Visa von 5 Tagen mit dem Fahrrad war sehr kurz und da wir trotzdem noch etwas vom turkmenischen Stadtleben sehen wollten beschlossen wir, die Drahtesel bis nach Mary einzuladen und von da durch die südöstliche Karakum-Wüste zu radeln.

Nachdem wir den Preis mit den Chauffeuren verhandelt hatten, verstauten wir unsere staubigen Fahrräder in zwei fabrikneuen Jeeps! V orbei war es endgültig mit den schönen Strassen und die 200 km lange Fahrt dauerte über sechs Stunden, natürlich diverse Pannen eingerechnet. Trotzdem verging die Zeit schnell mit den Truck-Drivern, mit denen wir uns trotz Sprachbarriere gut unterhielten. Riesige Baumwoll-Felder dominieren das Landschaftsbild in dieser flachen und wenig besiedelten Gegend. Die Stadt Mary erreichten wir um Mitternacht. Wegen des relativ günstigen Preises übernachteten wir im Hotel Sanjar, welches uns von anderen Reisenden wegen Kakerlaken abgeraten wurde. Im ersten Zimmer funktionierte der Air-Con nicht, im zweiten war das Türschloss defekt und im dritten knallte das ganze Lavabo auf den Boden. Die Konsole war durchgerostet. Stinksauer wurden wir, als der Receptionist meinte, wir müssten den Schaden bezahlen. Er gab es jedoch schnell auf. In der Früh verliessen wir das Hotel und frühstückten beim Bazar. Frauen und Männer, die beim Bazar arbeiteten, setzten sich zu uns uns und wir staunten über die hum orvollen, unkomplizierten und hilfsbereiten Turkmenen. Die Stadt Mary wurde im letzten Jahr vom verstorbenen Präsidenten Niyazov, alias Turkmenbashi (Leader der Turkmenen), rekonstruiert. Rücksichtslos wurde hier das Land den Leuten ohne Entschädigung weggenommen und mit Pärken, vergoldeten Turkmenbashi-Monumenten und Regierungsgebäuden überbaut. Diese sind jedoch reine Prestige, da Turkmenbashi alleine regierte und deswegen die Regierungsgebäude überflüssig sind. Seine Selbstverwirklichung kannte keine Grenzen und sein Persönlichkeits-Kult ist absolut verrückt! Überall hängen die überdimensionalen Fotos von Niyazov.

Morgens um 3 Uhr war es noch relativ kühl und wir starteten die Fahrt durch die Karakum-Wüste. Um 10 Uhr brannte die Sonne bereits auf uns nieder und unser Trinkwasser erreichte Spitzentemparaturen. Die Hitze und der Gegenwind stopten uns enorm und wir sehnten uns vergeblich nach einem schattenspendenden Baum. Trotzdem beeindruckte uns die Sandwüste mit diesen unendlichen Weiten. Am Strassenrand lagen gelegentlich totgefahrene Dromedars (arabische Kamele). Wie eine Fata Morgana erschien in weiter Ferne nach 300 schweissgebadeten Kilometern die Stadt Turkmanabad, wo wir den letzten Abend in diesem Land verbrachten. Morgens begaben wir uns zum Bazar, um für die nächste Etappe Proviant einzukaufen. Wir wurden umzingelt von neugierigen Turkmenen und mit frischem Brot und Früchten beschenkt.
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