Malaysia

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Mittags kamen wir auf der Insel an. Bei einer brütenden Hitze kraxelten wir über die Hügel an die Pantai (Strand) Cenang. Bei 41 Grad C an der Sonne und durchgenässt vom Schweiss bis auf die Unterhosen stopten wir im Schatten und fütterten den wilden Affen unser Brot, welche dies jedoch keines Blickes würdigten. Am Strand von Cenang ging es drunter und drüber. Das dreitägige Wasserfestival war im vollen Gange und wir hatten ein Riesenschwein, dass wir noch ein freies Zimmer fanden. Die Feld- und Guuggenmusig marschierten auf und ab, am Strand spielten Reggae- sowie Rockgruppen und einheimische Jungs tanzten R & B was das Zeug hielt.

Am Strand fanden tagsüber Spiele im und am Wasser statt. Die vorwiegend moslemischen Malayen badeten mit Kleidern und Kopftüchern im lauwarmen Meer. Da gab es doch tatsächlich Touristinnen, die ohne mit den Wimpern zu zucken inmitten der vielen Frauen mit Kopftuch ihren nackten Oberkörper sonnten. Zwei verschiedene Welten, wo bleibt da bloss der Respekt? Langkawi ist bekannt für zollfreies Einkaufen. Die Insel bietet aber einiges mehr. Mit dem Velo unterwegs entdeckten wir Kautschuk-Plantagen, Reisfelder und weidende Buffalos. Vom höchsten Punkt der Insel, dem Gunung Raja (800 m.ü.M.) bestaunten wir die vielen umliegenden Inseln. Danach erfrischten wir uns im Becken des nahegelegenen Wasserfalls.

Bei einer Wanderung durch den Dschungel klebten sich drei Blutegel an Kurts Füsse. Um sich von diesen grausigen Tieren zu befreien, musste Kurt die Zange des "Leatherman" zur Hilfe nehmen.
Ein Wärter erklärte uns, dass die Biester harmlos seien, im Gegenteil, in der traditionell chinesischen Medizin werden die Blutegel sogar zur Heilung eingesetzt...

Auf den vielbefahrenen Strassen in Malaysia geht es ziemlich hektisch zu und her. Die Motorräder überholen gewöhnlich links (Linksverkehr) und rechnen nicht mit Velos. Des Öfteren streiften uns die Fahrer um ein Haar. Möchte man etwas mehr am Strassenrand fahren, wird man mit Löchern, Scherben oder Sand konfrontiert. Aber spannend ist es trotzdem. Mancherorts raschelte und knackte es heftig im Gebüsch und zum Vorschein kamen die vielfältigsten Tiere. Sehr beeindruckt hatte uns der fast zwei Meter grosse Waran (Monitor Lizard), der friedlich züngelnd daher gewatschelt kam. Obwohl es in allen grösseren Städten moderne, relativ saubere, doch eiskalt klimatisierte Einkaufszentren mit einer überwältigenden Auswahl an Handys, PCs und anderen Elektrogeräten gibt, sieht die Welt draussen anders aus. Viele Gebäude sind total verlottert, der Müll wird überall hingeworfen, die Bodenplatten sind meistens uneben und die Fusswege sind entweder von Motorrädern oder anderen Fahrzeugen von stinkfaulen Fahrern belagert.

Von Langkawi radelten wir südlich der Westküste entlang nach Butterworth. Von dort führt eine 9km lange Brücke, die längste Südostasiens, auf die Insel Penang. Schon vom Festland aus sind die vielen Hochhäuser dieser Insel sichtbar. Georgetown, eine aktive, von Chinesen und Indern dominierte Stadt, ist der Hauptort dieser 1/2 Mio. EW Insel.
In der Altstadt findet man noch viele Bauten aus der britischen Kolonialzeit. Viele geschäftstüchtige Chinesen und Inder vollbringen da ihr Handwerk wie z.B. Goldschmiedereien, Incense-Stäbchen-Produktion, Holzschnitzereien, Webereien sowie Karten- oder Handlesen. Mit dem Fahrrad erkundigten wir die Insel und besuchten einige sehenswerte Tempelanlagen und Moscheen. Auf den auf einer Höhe von 820 M.ü.M. gelegenen Penang Hill führt eine steile Zug-Seilbahn. Kurt war deswegen ein bisschen besorgt. Nathalie beruhigte ihn darauf, dass die Bahn von einer schweizer Firma hergestellt wurde. Jedenfalls lasen wir zwei Tage später in der Zeitung, dass ein Tag nach unserem Besuch das Seil aus der Führung gesprungen ist, dabei aber keine Personen zu Schaden kamen.

Wir schätzten es sehr, dass viele Malayen englisch sprechen. Fast überall in den vielen Foodstalls kommen wir mit ihnen ins Gespräch. Sie freuen sich aber trotzdem sehr darüber, wenn man nur ein paar Wörter "Bahasa Malaysia" spricht. Ein Inder meinte, wir müssten unbedingt das Songkran Festival im nahegelegenen thailändischen Tempel besuchen. Dieses thailändische Neujahrsfest wird am 13. April gefeiert und dauert 3 bis 10 Tage. Dies liessen wir uns natürlich nicht entgehen. Schon zuvor hatten wir uns überlegt, ob wir für diesen Anlass zurück nach Thailand sollten. Mit dem total überfüllten Bus begaben wir uns zum Tempel. Das sogenannte Thai-Wasserfest war in vollem Gange und viele bemühten sich, uns "Altes" wegzuwaschen und viel Glück im Neuen Jahr zu wünschen.

Auch wir wollten uns revangieren und besorgten uns eilend Wasserflaschen. Viele Kinder, aber auch ausgelassene Erwachsene, waren mit grossen Wasserpistolen ausgerüstet. Puder und Parfüm gehörten ebenfalls zu den Glücksbringern. Es war wirklich ein Riesenfest mit Liveband und Ansprachen von Politikern. Wirklich cool, dass wir das im Kleinformat miterleben konnten. Seit wir die Insel Langkawi verlassen hatten, juckte es Kurt immer, besonders nachts, und er hatte am Po eine serpentinenartig gerötete Stelle. Die Symptome ähnelten genau den Beschreibungen unseres Reisebuches, Larva migrans cutanea, der Hakenwurm-Krankheit. Die gerötete Linie wanderte täglich um etwa 1mm weiter und wir waren uns sicher, dass es sich genau um diese zwar harmlose, aber extrem juckende Hautkrankheit handeln musste. Die Infektion erfolgt durch Hunde- oder Katzenkot im Sand. Wir suchten einen Arzt auf und hofften, dass er Kurt die Tiabendazol-Salbe verschreiben würde. Der Arzt meinte jedoch, dass sei sonst ein Ausschlag und mixte eine Salbe für Kurt. Der Wanderungsgang der Larve wurde jedoch immer länger, unbeschtreitbar typisch dafür. Nach einigen Wochen soll sich die Infektion von selbst ausheilen, da der Mensch ein sogenannter "Fehlwirt" ist. Eine kompetente Pharmazeutin informierte uns, dass Tiabendazol in Malaysia nur in Form von Tabletten erhältlich sei. Nach Einn ahme dieser Medikamenten verschwand die gerötete Linie allmählich.

Die Landschaft von Taiping nach Ipoh wird von Palmölplantagen dominiert. Palmöl gehört nebst Kautschuk, Kakao und Reis zu den landwirtschaftlichen Haupterzeugnissen Westmalaysias.
Wir freuten uns schon im Voraus auf das angenehme Klima in den Cameron Highlands, welche sich auf einer Höhe von 1300 bis 1800 M.ü.M. befinden. Von Ipoh führt eine neue Hauptverbindungsstrasse in die Berge. Ohne Frühstück radelten wir los und dachten, dass wir uns bei dem auf einem Meilenstein markierten Dorf stärken werden.
Leider bestand das erhoffte Dorf aus einigen Felsen und einem erneuten Meilenstein: 39km zum nächsten Dorf und 1000 Höhenmeter. Bis dahin futterten wir unseren ganzen "Fress-Sack" auf: Kekse, Sardinen, Brot und Müesli. Auch unser Wasservorrat von je 4 Litern neigte sich dem Ende zu. Wir brauchten jedoch nicht lange zu warten und schon streckte uns ein Autofahrer eine Flasche Wasser entgegen. Überhaupt konnten es die meisten motorisierten Fahrer nicht verstehen, dass man hier mit dem Fahrrad raufkraxelt und fast alle hupten oder winkten freudig. Ein malaysischer Radfahrer erzählte uns, dass es in letzter Zeit einige Raubüberfälle auf Tourenradler gegeben habe, die bereits vor Sonnenaufgang unterwegs waren. Deshalb betrachteten wir die zwei netten Motorradfahrer etwas skeptisch, die uns eine Weile begleiteten und vorne am Töff ein grosses Buschmesser mitführten...

Leider mussten wegen der neuen Strasse riesige Waldflächen gerodet werden, welch ein trauriger Anblick. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass es viele Erdrutsche gibt. In den Cameron Highlands boomt die Erdbeeren- und Gemüseproduktion. Bei einem Jungle-Trekking bestaunten wir die unglaubliche Pflanzenwelt. Tiere wie Tigers, Elephanten und Rhinos haben sich aus Angst vor den Menschen zurückgezogen. Die Ureinwohner (Orang Aslis) leben heute noch tief in den Wäldern, mit der Natur verbunden. Bekannt sind die Cameron Highlands für ihre Teeplantagen. Mit dem Fahrrad erkundigten wir die Gegend und bestaunten diese unendlichen, mit Teesträuchern bewirtschafteten Hügeln.
Die extrem hohe Luftfeuchtigkeit in diesem tropischen Gebiet liess unsere Wäsche manchmal tagelang nicht trocknen. Da unsere Auswahl der Kleider ziemlich beschränkt ist, klemmten wir die Wäsche unter die Gummizüge und modelierten die Velos zu "Wäscheleinen" um.

Von den Cameron Highlands führt eine Verbindungsstrasse, die zum Teil noch im Bau ist, nach Kuala Lipis. Anhand der Strassenkarte dachten wir, dass der Weg einem Tal entlang ins Flachland führt. Doch dies täuschte gewaltig. Einer ausgewaschenen Naturstrasse radelten wir 500 Höhenmeter aufwärts und fragten immer wieder die Gemüsebauern, ob dies tatsächlich der Weg nach Kuala Lipis sei, was uns jedoch alle bestätigten. Beim Downhill kamen Mountain Bike-Gefühle auf, jedoch nicht lange, da es immer feucht-wärmer wurde. Nach 30km trauten wir unseren Augen kaum: eine mehrspurige Asphaltstrasse, zeigte sich mitten im Jungle. Trotzdem erwies sich die Weiterfahrt aufgrund des Gegenwindes, der vielen Steigungen und der grossen Hitze als ziemlich anstrengend. Da uns die Polizisten trotz Empfehlungen der Einheimischen nicht bei ihnen auf dem Areal campieren liessen ;-), begaben wir uns zur Übernachtung nach Kuang Medan in ein Homestay, wo wir bei einer total netten Familie übernachteten. Die Gastgeberin schenkte Nathalie zum Abschied einen malaysischen Sarong.

Durchgenässt vom heftigen, aber total erfrischenden Dauerregen erreichten wir die englische Kolonial- und Goldgräberstadt Kuala Lipis. Ein kurzes Stück spulten wir der Hauptverbindungsstrasse Nr. 2 entlang, welche die Hauptstadt Kuala Lumpur mit der Ostküste verbindet. Nach Maran zweigten wir südlich zum kleinen Dorf Belimbing ab. Von dort aus charterten wir ein Boot zum See Tasik Chini. Der Bootsführer steuerte das Langschwanz-Boot nach der Überquerung des Pahang-Flusses in einen schmalen Nebenarm. Wir bestaunten die Künste des Kapitäns, welcher das Boot sicher und gekonnt durch den kurvenreichen, mit Mangroven bewachsenen Jungle-Fluss manöverierte, bis wir den sagen-umworbenen See erreichten. Darin soll die sogenannte "Naga Seri Gumun"-Schlange wohnen, deren Sage mit dem schottischen "Loch Ness Monster" vergleichbar ist. In Pekan erreichten wir die Hauptverbindungsstrasse der Ostküste. Auf dem Weg nach Mersing, resp. Richtung Singapur, begegneten wir einer echten Affenbande.

Ein Männchen fühlte sich vermutlich beim Mango-Essen gestört und rannte angreifend auf uns zu. Als wir ihn anschrien, er soll nach Hause gehen (na ja, Hauptsache schreien...), zögerte er und schaute uns nach. Mit einer Gänsehaut strampelten wir weiter. In Mersing packten wir unseren kleinen Rucksack und reisten mit dem Bus nach Johor Bahru, eine malaysische Gross-Stadt an der Grenze zu Singapur. Da bezogen wir ein günstiges Hotel mitten im Zentrum. Der unglaublich dichte Verkehr brummte die ganze Nacht um das nicht isolierte Gebäude. Ein Schlangenmedizin-Verkäufer warb lauthals mit seinem Mikrophon um Kundschaft. Morgens begaben wir uns über den Causeway nach Singapur, wo wir beim Büro der Swiss die Rückflugtickets abholten.

Zurück beim Busbahnhof in Johor Bahru ergatterten wir noch ein Ticket für die Abendfahrt nach Mersing.
Am nächsten Morgen tuckerten wir mit der Fähre auf die 50km entfernte Tioman Insel. Schon bei der Ankunft am Steg bestaunten wir die farbenprächtigen Fische in dem türkisfarbenen, total klarem Wasser. Da wegen der 1. Mai-Brücke viele asiatische Touristen die Insel besuchten, hatten wir ein Riesenschwein, dass wir noch ein freies Bungalow fanden. Die Insel erwies sich als wahres Paradies. Manchmal watschelten riesige Warane Richtung Strand oder kletterten auf die Kokosnuss-Palmen. Das Riff befand sich vor der Haustür. Beim Schnorcheln entdeckten wir eine Vielzahl von farbenprächtigen Fischen, welche wunderbar vor der Kamera posierten, da sie diese mit einem Brotsack verwechselten. Auch ein Octopus und eine Schildkröte liessen sich blicken.
Zurück auf dem Festland radelten wir die letzte Etappe unserer Reise nach Johor Bahru, wo wir noch einige Einkäufe erledigten und nochmals die abwechslungsreiche malaysische Küche köstigten.

FOTOGALERIE
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