LAOS

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Vor der Grenze zu Laos wurden wir zu Millionären, gegen die chinesischen Yuan erhielten wir riesige Bündel Kip. Die Frauen kämpften um das Tauschgeschäft und überbieteten sich gegenseitig. Sie versprachen uns einen so guten Wechselkurs, dass wir spürten, dass etwas faul sein muss. Prompt fehlten bei einigen 100´000er Bündeln die Hälfte.
Die Strasse nach Luang Prabang führt durch eine dschungelartige Landschaft und wir hörten viele eigenartige Geräusche von Tieren aus dem Dickicht. Besonders nett sind die, manchmal in den steilsten Hängen gebauten, typischen Häuser, welche auf hohen Pfählen gebaut sind. Deren Wände bestehen aus geflochtenem Bambus und die Dächer aus Stroh.
Laos wurde während des Indochina-Krieges bis im Jahr 1949 von den Franzosen beschützt, weshalb viele öffentliche Gebäude und Monumente auf französisch beschriftet sind. Eine willkommene Abwechslung vom kulinarischen Angebot sind die knusprigen Parisettes und der Weichkäse "La vache qui rit". Der laotische Kaffee zählt zu den Besten der Welt und er ist in der Tat einfach köstlich. Von den manchmal etwas arbeitsscheuen Laoten wird jedoch oft der schnell zubereitete Nestlé-Kaffee serviert.

Die historisch sehr interessante Stadt Louang Prabang ist wunderschön, an der Einmündung des Khan Flusses in den Mekong gelegen. Wir besichtigten sehenswerte Tempel, von denen einige im 16. Jh. errichtet wurden. Der Nachtmarkt ist besonders hübsch und es sind unglaublich viele einheimische Handarbeiten erhältlich, ein empfehlenswerter Weihnachtsmarkt mit gemütlicher Ambiente!

Nach einer mehrtägigen Fahrt, 75 km vor Phonsavan, riss Nathalie´s Gangkabel. Die externe Seilbox der Rohloff-Schaltung war mit Torx-Schrauben befestigt, welche wir mit unserem Torx nicht öffnen konnten. Es blieb ihr nichts anderes übrig, als mit dem 2. Gang ins nächste Dorf zu radeln und auf den Bus zu warten. Die Einheimischen informierten uns, dass um 14.00 Uhr ein Bus fährt. Die drei Stunden Wartezeit vergingen schnell und wir bestaunten die hübschen Trachten der Hmong, welche bereits das Neujahrsfest feierten. Nicht allzu überrascht waren wir, dass zur angegebenen Zeit weit und breit kein öffentlicher Bus in Sicht war. Also stoppten wir die Kleinbuse, wobei uns nach kurzer Zeit ein Paar aus Neuseeland mitnahm. In Phonsavan begaben wir uns zu einem Aluminium- und Stahlspezialisten, welcher die Schrauben mit dem Bohrer bearbeitete, damit wir sie rausdrehen konnten. Das Wechseln des Schaltkabels stellte sich als eine weitere Herausforderung heraus.
Die dem UNESCO-Welterbe angehörenden "Plain of jars", Ebenen mit bis zu drei Meter hohen Krügen, sind sehr beeindruckend. Gemäss Studien wurden diese riesigen Krüge, welche z.T. aus Elefantenknochen bestehen, vor ca. 2000 Jahren als Urnen genützt.

Die Provinz Xieng Khuang gehört zu den im Vietnam-Krieg meist bombardierten Gegenden. Überall sind riesige braune Löcher zu erkennen und man trifft ab und zu auf leere "Geschosse". Die Amerikaner und einige Hilfswerke sind dabei, das Land auf unexplodierte Bomben zu durchsuchen und die Kinder in den Schulen auf die Gefahr aufmerksam zu machen.
Unsere Weiterreise nach Vientiane, der Hauptstadt Laos, sollte durch eine Spezialzone führen. In Phonsavan konnte uns niemand richtig Auskunft geben betreffend Strassenzustand, Bewilligung, etc. Also radelten wir auf gut Glück los. Die Naturstrasse war manchmal so steil angelegt, dass wir die Fahrräder stundenlang über das Geröll schieben mussten. Dabei schwitzten wir wie die Bären. Die Leute in dieser Gegend hatten wohl noch nie Touristen gesehen und alles erschien uns ziemlich wild. Die meisten Männer tragen Gewehre bei sich, jedoch nie eine Beute. Die Jagd erschien uns eher ein Vorwand, um sich mit ihren "Brüdern" zu treffen. Viele Kinder und Jugendliche rannten total verängstigt ins Haus oder die Kleinen begannen zu weinen, wenn sie uns erblickten.

Der Weg führte jedoch in eine Sackgasse und endete nach 87 anstrengenden Kilometern in einem Reisfeld. Nachdem wir hartnäckig einige Einheimische nach dem Weg nach Vientiane fragten und uns schlussendlich ein LKW-Fahrer versicherte, dass nur ein Fussweg weiter führt, mussten wir es wohl oder übel einsehen und wieder zurück radeln... Das Klima veränderte sich merklich, je weiter südlich wir gelangten. Wir liessen die Berge allmählich hinter uns und es wurde schwül und warm. Zur "Akklimatisierung" gönnten wir uns einen Relaxtag in Vang Vieng. Nachdem auch Kurt sein schwer bepacktes Fahrrad sicher über die sehr wackelige und verlotterte Holzbrücke geschoben hatte, genossen wir unser gemütliches Bungalow mit Hängematte. Die kleine Stadt Vang Vieng ist bekannt für die vielen Kalkstein-Höhlen und Tunnels, welche man auf der Westseite des Nam Song Flusses besichtigen kann.
Da scheinbar alle Hotels in Vientiane im Dezember hoffnungslos überfüllt sind, beschlossen wir, kurz vor der Stadt zu zelten oder zu logieren und morgens in der Früh ins Zentrum zu radeln.
Bereits um 8 Uhr waren die meisten Gästehäuser in der Hauptstadt belegt. Das Hotelpersonal ist total unfreundlich und die Preise für das Gebotene masslos überrissen.
Schlussendlich fanden wir doch noch ein nettes, sauberes Zimmer.

In Vientiane besichtigten wir den Tempel "Wat Si Saket", welcher 1818 gebaut wurde. Es ist die älteste Tempelanlage in der Stadt, welche im Krieg gegen die Siamesen nicht zerstört wurde. Unter einem schattenspendenden Baum führten wir ein interessantes Gespräch mit einem jungen Mönch. Am Heilig Abend speisten wir wie üblich beim Inder und genehmigten uns ein "Beerlao" in einer Bar am Meckong mit laotischer Rockmusik.
Auf der Nationalstrasse Nr. 13 radelten wir 400 km südlich nach Savannakhet. Im Süden Laos befinden sich einige Nationalparks, wo u.a. Elephanten, Leoparden, Tiger und Siamesische Krokodile heimisch sind.
Gegen die Mittagszeit wird es an der prallen Sonne so heiss, dass einem schon nur ein kleiner Hügel zusetzt. Deshalb radeln wir in der Regel um 6 Uhr los, damit wir uns, wenn die grosse Hitze kommt, im Schatten ausruhen können. Morgens in der Dämmerung beobachteten wir jeweils die Mönche, welche bei den am Strassenrand betenden Einheimischen die Almosen einsammelten. In der Stadt Savannakhet ist die Architektur der ehemaligen französischen Kolonien unübersehbar. Natürlich wären die Gebäude renovationsbedürftig, doch dazu fehlt vermutlich das Geld.
Silvester feierten wir mal ganz anders unter vielen Palmen. Kurt übersah beim leckeren Fisch-Essen eine Chili und sein Geruchssinn war für den ganzen Abend gestört. Weder Reis noch kühles Bier half.

Von Pakse tuckerten wir mit dem Boot auf dem Mekong flussabwärts nach Champasak. Es war sehr interessant, das rege Treiben in den am Fluss gelegenen Dörfern und die Einheimischen beim Fischen zu beobachten.
Etwas weiter südlich von Champasak führt eine dunkelrote Naturstrasse Richtung Attapeu. Im Nationalpark wird von Ecotourism Elefantenreiten angeboten. Der Beitrag unterstützt direkt die Dorfbewohner, die hauptsächlich für Ecotourism arbeiten. Schon beim Besteigen des Elefanten bestaunten wir die gigantische Grösse. Auf diesem Riesentier fühlten wir uns vor allen wilden Tieren im Dschungel sicher. Der steile Weg war für unseren schweren "Bimbo" anstrengend und er begann ziemlich zu schwitzen und sich mit seinem Rüssel zu bespritzen.

Natürlich blieben wir da nicht verschont und wir dufteten ziemlich streng nach Elefant nach dem abenteuerlichen Ritt. Ganz im Süden von Laos gibt es die Si Phan Don, Viertausend Inseln, wo sich in der Trockenzeit im Mekong tausende von kleinen und grossen Inseln bilden. Einige der grösseren Inseln sind ganzjährlich bewohnt. Wir besuchten eine der kleineren Inseln "Don Det", welche sich ganz im Süden zur kambodschanischen Grenze befindet. Elektrizität gibt es (noch) keine und um die ganze Insel rum kann man total nette Bungalows mieten, mit Hängematte auf der Terasse und Blick auf den Fluss, einfach eine paradiesische Atmosphäre. Nathalie mietete sich ein Fahrrad und erkundigte die Insel, welche mit einer alten, von den Franzosen konstruierten Brücke, mit der Insel "Don Kon" verbunden ist.
Da wir bis am 17. Januar in Ho Chi Minh/Saigon sein wollten, damit wir unsere Kollegin noch treffen, radelten wir jedoch bald weiter. Die Strasse zur kambodschanischen Grenze erinnerte uns an Tibet, der schmale Weg war unglaublich sandig und holprig.



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