Kirgyzstan

 

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Während wir auf den Einreisestempel für Kirgyzstan warteten, beobachteten wir die korrupte Zollabfertigung. Es war kaum zu glauben: die Kazakhen, welche keinen Pass hatten, schmierten den Beamten "unauffällig" Geldnoten, welche gekonnt in den Hosentaschen des Beamten verschwanden. Entlang dem klarblauen Alpine-See Isik-Köl fuhren wir nach Karakol. Dieser See liegt 1600 m über dem Meeresspiegel, ist 170 km lang, 70 km breit, 695 m tief und umgeben von weissen Schneebergen. Karakol ist eine Stadt mit ca. 400´000 Einwohnern. Teilweise sind die Strassen im Zentrum nicht asphaltiert und es ist überall staubig. Unsere 1. August-Feier war sehr speziell. In einer Art Disco/Bar toasteten wir aufs Schweizerland. Die Barmaid war jedoch ziemlich gelangweilt und wir forderten sie immer wieder auf, die Musik etwas lauter zu machen. Mit unseren Taschenlampen begaben wir uns etwas später auf den Heimweg. Nachdem wir für unsere 4-tägige Trekking-Tour alles eingekauft und zwei grosse Rucksäcke gemietet hatten, konnte es losgehen. Wir wanderten ein wunderschönes Tal hinauf, wo viele Schafe, Kühe und Pferde weideten. Die schweren, alten und am Rücken nicht verstellbaren Rucksäcke quälten uns nach kurzer Zeit und als wir abends beim Camp ankamen, schmerzten unsere Rücken und die Schultern. Es braute sich ein Gewitter zusammen und wir stellten unser Zelt in Rekordzeit auf.

Im Vorzelt kochten wir gemütlich unser Abendessen, während es draussen blitzte und donnert. Bei klarblauem Himmel erwachten wir morgens und bestaunten die fantastische Bergwelt. Am zweiten Tag erreichten wir das Camp gerade bevor es anfing zu hageln. Das Wetter wechselte unglaublich schnell. Eine Stunde später genehmigten wir uns ein Bad im kleinen See in der warmen Sonne. Nach einem sehr anstrengenden Aufstieg erreichten wir den türkis-blauen Bergsee Ala-Köl. Der Pfad führte zum Ala-Köl Pass (3900 m.ü.M.), von wo aus man eine atemberaubende Aussicht auf die weissen Gipfel der Ala-Too range hat. Jedoch begann es bald zu schneien und wi! r beeilten uns beim steilen Abstieg. Bei einem Bach auf einer saftig-grünen Wiese genossen wir nochmals die friedliche Atmosphäre und beobachteten Murmeltiere und Adler. Die Edelweiss-Blumen sind in der Berglandschaft überall zu sehen. Morgens ging es weiter talwärts und wir kehrten allmählich in die Zivilisation zurück. Tamara, die Inhaberin des Guesthouses, erzählte uns, dass sie gerne den grossen Garten umbauen möchte, jedoch die Männer nicht helfen, da diese "nach der Arbeit die Kameradschaft pflegen" und spät abends betrunken heimkehren.

Der Alkohol ist in Kirgyzstan ein grosses Problem. Generell sind es die Frauen, die arbeiten, die Kühe melken, kochen und die Kinder erziehen. Die Männer schauen mit den Pferden zu den "Rechten", resp. besuchen ihre "Brüder" und lassen sich mit Wodka voll-laufen. Dem wilden und weniger touristischen südlichen Ufer des Isik-Köl Sees entlang radelten wir nach Kochkor. Einige Male hielten wir an und hüpften in den wunderschön klaren, blauen See. Eines Abends entdeckten wir einen riesig langen Sandstrand ganz für uns alleine... Die Strassen sind in einem erbärmlichen Zustand und wir staunten, was die alten europäischen Import-Fahrzeuge und die russischen "Mercedes" (Lada) alles aushalten. In Kochkor buchten wir eine 3-tägige Pferde-Tour zum Song-Köl See. Wir waren aufgeregt, da wir das erste Mal auf einem Pferd sassen. Kurt wollte seinen braunen Hengst mit einem Zucker-Würfel bestechen, dieser rümpfte jedoch nur die Nase. Unser Guide instruierte uns kurz und los ging´s. Anfangs sassen wir ziemlich steif auf den Pferden, bald jedoch entdeckten wir, dass Galoppieren viel einfacher ist als Traben und wir kamen ganz flott voran. Wir übernachteten in den Bergen in Yurten bei Schafhirten-Familien. Es war sehr interessant zu beoachten, wie einfach und unkompliziert die Leute leben. Am Song-Köl See relaxten wir noch einen halben Tag und liessen uns verwöhnen. Nach Kochkor erwartete uns der erste 3000er Pass. Unterwegs überholten uns immer wieder Franzosen mit ihren "Döschwo´s".

Sie fotografierten und filmten uns und schenkten uns sogar Mineralwasser aus Frankreich. Die ganze Gruppe von 150 Personen und 50 Fahrzeugen ist unterwegs nach Pejing. Über die Mongolei, Sibirien und Russland fahren sie wieder zurück nach Frankreich. Die Strasse nach Osh ist eine Naturstrasse in schlechtem Zustand. Up- und downhill gleichermassen ist fahrtechnisch anspruchsvoll wegen dem tiefen Gröll und den Löchern. Der 3000er Pass über die Fergana range forderte uns besonders wegen dem böenartigen Gegenwind. Belohnt wurden wir mit einer fantastischen Landschaft, tiefen Schluchten und unglaublichen Bergformationen. Abends fanden wir immer wunderschöne Plätze am Bach zum Zelten. Abgesehen von einzelnen Kleinbauern ist die Gegend sehr verlassen und wir schleppten Essensvorrat für mindestens vier Tage mit. Immer wieder wurden wir von den Leuten in ihren Sommerlagern zu Cay, Brot, hausgemachter creme fraiche und Konfitüre eingeladen. In Osh, eine historische Stadt der Seidenstrasse, liessen wir das kirgysche Visa verlängern. Wir beschlossen, nicht über den Torugart-Pass, sondern über den Irkeshtam-Pass nach China zu radeln. Der Torugart-Pass ist berühmt-berüchtigt für die Unzuverlässigkeit und Willkür der Zöllner. Es ist nicht erlaubt, die Strecke nach Kashgar zu fahren, sondern man muss an der Grenze von einem chinesischen Fahrer abgeholt werden. Falls dieser nicht erscheint, kann man die Grenze nicht passieren. Wir beschlossen deshalb, den "Umweg" über Osh auf uns zu nehmen.

Am letzten Abend in Osh schwangen wir kräftig unsere Tanzbeine zur traditionellen kirgisischen Musik. Eine Gruppe Kirgisen celebrierten ihren Zahltag vom Bazar und einen 50zigsten Geburtstag. Sie freuten sich unheimlich, dass wir mitfeierten und sie forderten uns immer wieder zum Tanzen auf.
Die Strasse über den Erkeshtam-Pass nach China erwies sich als reine Mountainbike-Strecke. Immer wieder trafen wir dieselben LKWs an, welche nur schleichend voran kamen. Die Landschaft (und natürlich auch die dünne Luft) raubte uns den Atem: im Süden die schneeweissen Berge der Pamir-Kette und nördlich die kargen, roten Bergformationen. Auch in dieser verlassenen Gegend wurden wir in den Dörfern von Familien beschenkt mit frischem Butter, getrockneten Joghurt-Kugeln (Kurut) und Eiern. Die Kinder entdecken uns jeweils schon von Weitem und des öfteren wurden wir in Scharen empfangen. Natürlich sind sie sehr neugierig und wollen alles anfassen... Etwa 20 km vor der chinesischen Grenze trauten wir unseren Augen kaum. Wie eine Landepiste schlängelte sich eine feine Asphaltstrasse über die Hügel.

FOTOGALERIE
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